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AM 11. 09. 2005 IST TAG DES OFFENEN DENKMALS
Handwerkskunst mit Seltenheitswert
Der Pleißaer Mirko Günther hat neben seinem Wohnhaus eine alte Schmiede gebaut
Limbach-Oberfrohna/OT. Pleißa.
Ein rostiger Nagel als Beginn einer großen Leidenschaft: Mirko Günther hat beim Hausbau einen alten Nagel gefunden und ins Feuer gehalten. „Einfach so" hat er ihn dann zurechtgeklopft - seine erste Schmiedearbeit. Freilich liegt ihm das Schmieden im Blut: Ein Urgroßvater war Schmied in Klaffenbach, der andere Lokomotivschmied bei „Hartmann". Doch um sein Museum
„Alte Schmiede" aufzubauen, dafür brauchte es mehr - Kraft, Mut, Durchstehvermögen und die Unterstützung seiner Familie. Zum Denkmalstag am Sonntag öffnet er sein Museum für die Öffentlichkeit.
Neben dem Wohnhaus hat der Pleißaer ein zweites Gebäude errichtet, das aussieht wie Werkstattgebäude vergangener Jahrhunderte. Im Museum geht Mirko Günther (32), der in der Arbeitsagentur Chemnitz arbeitet, einem seltenen Handwerk nach: Als freischaffender Künstler schmiedet er Damaszener Stahl zu Messern oder Waffen. „Nur eine Handvoll Leute in Deutschland beherrschen diese Kunst", schwärmt er von dem Handwerk, das ihn „gepackt hat wie ein Virus". Väter haben dieses Verfahren an ihre Söhne weitergegeben, macht auch der Pleißaer ein Geheimnis um seine Kunst: Meister ihrer Zunft haben etwa 500 vor Christus das Verfahren entwickelt, das Eisen außergewöhnlich flexibel und dabei haltbar macht, beschreibt Günther: Abwechselnd legt der Handwerker je eine harte und eine weiche Schicht übereinander, verschweißt sie: „Bis zu 300 Schichten machen die Qualität der Stücke aus."
Damaszener Stahl schmiedet Mirko Günther am Sonntag nicht, wohl aber Messer nach herkömmlicher Technik. Außerdem können Besucher zahlreiche technische Raritäten bestaunen, darunter „ein sehr seltener, funktionsfähiger, mechanischer Stielhammer der Firma Morgenstern Einsiedel, 1910 erbaut", (grit)
„Alte Schmiede": Meinsdorfer Straße ( Am Schützteich ) 10, Pleißa, So, 10-17 Uhr: wegen begrenzter Parkmöglichkeiten Anreise am besten mit öffentl. Verkehrsmitteln, Rad od. zu Fuß bzw. üb. Hohensteiner Str. zum Kapellenberg, Buswendeschleife Ri. Tannenmühle - parken nahe Tannenmühle od. Wüstenbrander Str.

Quelle: „Freie Presse" vom 09. 09. 2005
Mirko GŁnther
Fingerspitzengefühl für Kraftpakete
UMLANDGESCHICHTEN: Mirko Günther aus Pleißa pflegt in seiner Museumsschmiede die seltene Handwerkskunst des Damastschmiedens
Sie sind weggegangen und heimgekehrt. Sie haben sich fürs Hierbleiben entschieden:
Menschen im Chemnitzer Umland. Wir haben uns mit ihnen unterhalten und stellen sie vor.
Limbach-Oberfrohna/OT. Pleißa.
Die Nacht hat den Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Pleißa in Dunkelheit gehüllt. Doch in der kleinen, neu errichteten Eigenheimsiedlung Am Schützteich steht der Besucher unverhofft vor einem Gebäude, das ihn zu ungläubigem Staunen hinreißt. Im Inneren ist sämtliches Licht erloschen. Nur am Schmiedefeuer steht ein Mann von mittlerer Größe, schlägt einen Hammer aufs glühende Eisen, so dass die Funken sprühen wie zu Silvester die Raketen am Himmel.
Dieses Feuer hat Mirko Günther ins Zentrum der Alten Schmiede gerückt. Dort kann man Klingen bis zur Schwertgröße problemlos erwärmen. Für die Luftzufuhr zur traditionell mit Steinkohle betriebenen Feuerstelle hat der 32-Jährige einen 2,50 Meter langen Doppelblasebalg der Firma Vogel/Chemnitz, Baujahr 1905, montiert. Beinahe die gesamte Einrichtung ist sehr alt im arbeitenden Museum „Alte Schmiede". Das Gebäude selbst hat keine zwei Jahre auf dem Buckel. Mirko Günther, in seiner Freizeit Schmied, im täglichen Berufsleben Teamleiter in der Arbeitsagentur Chemnitz, hat jeden Ziegelstein für das zweigeschossige Haus mit 90 Quadratmetern Grundfläche selbst gesetzt. „Sonst hätte man das auch gar nicht finanzieren können", gesteht er und weiß, dass es für sein besonderes Hobby noch mehr braucht als Idealismus und Begeisterungsfähigkeit.
Denn in seiner nach Vorlagen vergangener Jahrhunderte aufgebauten Werkstatt schmiedet er als freischaffender Künstler neben seinem Wohnhaus Damaszener Stahl zu Messern oder Waffen. „Nur eine Handvoll Leute in Deutschland beherrscht diese Kunst", schwärmt er von dem Handwerk, das ihn „gepackt hat wie ein Virus". Bei einem Franzosen, einem der wenigen Meister in Deutschland, ist er nahe Hamburg in die „Lehre" gegangen. Väter haben dieses Verfahren an ihre Söhne weitergegeben, macht auch der Pleißaer ein Geheimnis um seine Kunst: Meister ihrer Zunft haben etwa 500 vor Christus das Verfahren entwickelt, das Eisen außergewöhnlich flexibel und dabei haltbar macht, beschreibt Günther: Abwechselnd legt der Handwerker je eine harte und eine weiche Schicht übereinander, verschweißt sie: „Zunächst vier Schichten, dann acht, bis zu 300 Schichten machen die Qualität der Stücke aus."
Das Museum ist voll funktionsfähig und öffnet zu Schautagen an Wochenenden und nach Vereinbarung. Dann führt Mirko Günther alte Schmiedetechniken bis hin zur Herstellung eines Schwertes vor. Freitags ist sein privater Schmiedetag. Die Familie, Ehefrau Kathrin, Sohn Arno (eineinhalb) und Tochter Vanessa (viereinhalb), wissen dann, dass sie den Vater ab mittags nicht stören sollen. „Anfangs habe ich im Keller unseres Hauses geschmiedet, dann wurde es meiner Familie zu laut."
Freitags am Nachmittag zieht nun Mirko Günther die Tür seiner Schmiede hinter sich zu und taucht in seine Welt ab. Beeindruckend die Einrichtung, die Günther an solchen Tagen und für Besucher in Gang setzt. Sie zu bekommen, dazu bedurfte es einiger Überzeugungsarbeit: „Drei Stunden habe ich manchen Altmeister gebettelt, mir doch eines seiner guten Stücke zu überlassen." Darunter sind zahlreiche technische Raritäten wie „ein sehr seltener, funktionsfähiger, mechanischer Stielhammer der Firma Morgenstern Einsiedel, 1910 erbaut". Zwei original Hartmann Luftschmiedehämmer in Vorkriegsbauart, erbaut in der Richard Hartmann AG Chemnitz, leisten bei größeren Arbeitsstücken Dienste.
Einen original Hartmann Luftschmiedehammer hat Mirko Günther dem Chemnitzer Eisenbahnmuseum als Leihgabe vermacht. „Dieses etwas groß geratene Kraftpaket konnte ich leider nicht in meinem Museum unterbringen."
Jedes der alten Werkzeuge hat eine Geschichte, die der Museumsbesitzer gern erzählt - von der Radreifenpresse, Baujahr 1890 bis hin zur Universalfräsmaschine der Ruhla-Werke, Baujahr 1951. Zur Bearbeitung des Eisens steht eine beachtliche Ausrüstung an Ambossen, Hilfs- und Feuerwerkzeugen zur Verfügung. Allein rund 300 Stück umfasst seine beeindruckende Sammlung von Hämmern und Hilfshämmern.
Das Schmiedehandwerk liegt im Blut: Ein Urgroßvater von Mirko Günther war Schmied in Neukirchen, der andere Lokomotivschmied bei „Hartmann". Der junge Nachfahre
aus Pleißa freilich versteht sich als Künstler. Vorwiegend Sammler, auch Jäger zählt er zu seiner Kundschaft. Für sie fertigt er vorwiegend Jagdmesser. Nur wenige Stücke sind es im Jahr. Größere Mengen herzustellen, wäre ihm in seiner knappen Freizeit und wegen des hohen Kraftaufwandes gar nicht möglich.
„Ein solches Messer macht immens viel Arbeit, und zwar richtige Arbeit: schwer, dreckig, heiß, aber auch fein, gefühlvoll und hochpräzise", schwärmt Günther: Hochkonzentriert schmiedet er den Damast, formt die Kontur mit dem Hammer, schleift die Klinge sauber. Zum Schluss stellt er noch Griff und Scheide her und montiert sie. „Ein guter Messerschmied fertigt lediglich aus zwei Stahlblöcken, einem Stück Bronze und einem Holzscheid durch reine Handarbeit ein elegantes, schlankes und sehr scharfes Damastmesser in exklusivem Design."
„Der Ferrari unter den Schmiedetechniken", ist Günther stolz auf das, was er sich aufgebaut hat. Diese Handwerkskunst mit Seltenheitswert hat ihren Preis und beeindruckende Eigenschaften. „Damit kann man sich rasieren", schwärmt der junge Meister. Mit einem seiner Messer schneidet Mirko Günther Glas ebenso wie einen Nagel, wenn er die Klinge schnipsen lässt, schwingt sie leise surrend, hüpft fast. „An diesem Qualitätsmerkmal schied sich im Mittelalter unter den Waffenschmieden die Spreu vom Weizen. Denn nur Damaszener Stahl weist diese Festigkeit und Geschmeidigkeit auf, die eine Waffe nicht verbiegen oder brechen lässt."
Das Geheimnis seiner Kunst will er einst seinem Sohnemann weitergeben: „Arno könnte die Schmiede übernehmen, während Vanessa vielleicht Goldschmiedin werden könnte?", sinnt er. Doch auch greifbare Pläne hat das Kraftpaket: Die obere Etage seiner Werkstatt will er in den nächsten Monaten für seine Frau ausbauen, zum Atelier, wo die Hobbykünstlerin malen kann. (grit)
Museum „Alte Schmiede" : Am Schützteich 10, Pleißa, Telefon 03722 94062. kontakt@damastklinge.de; www.damastklinge.de

Quelle: „Freie Presse" vom 15./16.10.2005

Mirko GŁnther am Schmiedefeuer
 
Kunst-Schmiede wird zum heißen Tipp
Tag des offenen Denkmals mit vielfältigem Besuchsangebot
Zum „Tag des offenen Denkmals" öffnete Hobby-Schmied Mirko Günther erstmals seine Kunst-Schmiede für die Öffentlichkeit. Neben seinem Wohnhaus Am Schützteich 10 in Pleißa hat sich der junge Mann eine eigene Werkstatt eingerichtet, die fast keine Wünsche offen lässt. Auf etwa 60 Quadratmetern stehen dicht aneinandergerückt die Maschinen: Vom Lufthammer, Bohr-, Fräs- und Schleifmaschinen bis zu einer Uralt-Drehbank und den Schmiedewerkzeugen hat Mirko Günther alles zusammengetragen, was er für sein Hobby braucht. Einige der Maschinen hat er ebenso wie die Leidenschaft für dieses Handwerk von seinem Urgroßvater geerbt, die anderen Stück für Stück zusammen getragen.
Und kaum hat Mirko Günther am 11. September das Schmiedefeuer angeschürt, kommen auch schon die ersten der insgesamt etwa 150 Besucher, die diesen Tag nutzen, um sich in Ruhe umzuschauen. Geduldig beantwortet Mirko Günther alle Fragen und erläutert beispielsweise, dass sich der Name „Sachsen" von Saxklingenträgern des Mittelalters herleite. Begonnen hat der gelernte Elektromonteur und Dipl. Verwaltungswirt vor etwa fünf Jahren mit Kunstschmiede-arbeiten für den Eigenbedarf. Erst nachdem er sich die Grundfertigkeiten der Schmiedekunst Stück für Stück angeeignet hatte, wagte er sich an eine ganz besondere Herausforderung - das Schmieden von Damaszenerstahl. Dieses Verfahren bei dem viele hauchdünne Schichten Stahl aufeinandergeschmiedet werden, entwickelte man etwa um 500 v. Chr. - das Ziel war und ist die Herstellung von extrem scharfen, harten und zugleich sehr biegsamen Klingen für Messer und Waffen. Absolute Meister ihres Fachs schmieden bis zu 300, ja sogar 1000 Lagen Stahl übereinander. Dabei sind die einzelnen Schichten dann so hauchdünn, dass man auch von Frauenhaardamast spricht. Beeindruckt hören die Besucher zu, als Mirko Günther erzählt, dass die Werkzeuge aus Damaszenerstahl einen außergewöhnlichen Qualitätstest zu bestehen haben: Mit der Klinge muss man einen 8-Millimeter-Kupferbolzen durchschlagen können, ohne dass sie dabei bricht oder Schaden nimmt. Angesichts dessen, dass dies der Härte einer Wildschweinrippe entspricht, macht das für einen Jäger durchaus Sinn. Alle anderen Liebhaber der in dieser Technik gefertigten Messer fasziniert sicher außerdem die besonders feine Schneidstruktur und natürlich auch die ausdrucksstarke Maserung der Klinge. Sie entsteht durch die einzelnen Schichten und wird durch das Ätzen mit Säure sichtbar gemacht. Damit sie nicht rostet, muss die Klinge nach jedem Gebrauch eingeölt werden, für viele wird der Besitz eines solchen Messers allerdings ein Prestigeobjekt sein.
Damaszenerstahl wird heute auch vereinzelt industriell hergestellt. Liebhaberstücke, weil aufwändiger und kunstvoller, sind die handgefertigten Klingen. „Die Bücher über diese Technik hab' ich alle gefressen", bekennt Mirko Günther. Doch das Anlesen und Probieren reiche nicht aus. Um diese schwierige Kunst zu erlernen, müsse man jemanden gewissermaßen über die Schulter schauen können. „Dafür ging ich in Hamburg bei einem erfahrenen Meister quasi 14 Tage in die Lehre", so Günther. Inzwischen fertigt der Hobby-Schmied als freischaffender Künstler fünf bis sechs Damaszener-Messer im Jahr. Jedes Stück erfordert 30 bis 40 Stunden Handarbeit und ist ein echtes Unikat, für die er auch die Griffe in Handarbeit fertigt. Trotz aller Sorgfalt birgt diese Technik ein hohes Ausschuss-Risiko. Trotzdem fühlt sich Mirko Günther dem Ehrenkodex der Schmiedekunst verpflichtet, der heute oftmals der Kosteneinsparung geopfert werde. Neben Messern schmiedet er auch kunstvolle Damaszener-Ringe. Mirko Günther träumt davon, einmal ein Schwert in dieser Technik zu schmieden: „Von der Größe gelingt es mir, aber das schwierigste ist das Härten". Doch sicher wird dem ehrgeizigen Mann auch dies noch gelingen, denn er lacht zuversichtlich.
Weitere Besuchermagneten beim Tag des offenen Denkmals waren in Wolkenburg die Sägemühle und das Schloss sowie das Bauernmuseum in Dürrengerbisdorf.
Quelle: „Stadtspiegel" vom 13. 10. 2005
M. GŁnther am Lufthammer
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