Nitzschenmühle um 1900
Nitzschenmühle Herbst 2005
Herbst 2005  
Nitzschenmühle Winter 2005
Winter 2005
Winter 2009
Die ehemalige "Nitzschenmühle"
Die letzte Mühle von einst sieben Mühlen aus Pleißa, die Nitzschenmühle
Woher der Name des Dorfes Pleißa genau stammt, kann nicht ganz sicher geklärt werden. Favorisiert wird die Möglichkeit der slawischen Herkunft. Doch Dr. Bönhoff, der in Pleißa Pfarrer war, (1899 Pfarrvikar für Pleißa und Kändler, bis 1908) war der Meinung gewesen, dass der Name aus dem fränkischen kommt und die Besiedlung unserer Gegend von dort her gezogen ist. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist die fränkische Fachwerkbauweise, die nun fast nur noch in Pleißa an der Nitzschenmühle im Original zu finden ist. Die erste urkundliche Erwähnung unseres Ortes hat der Lehrer und Heimatforscher Horst Strohbach aus dem Dresdner Landesarchiv abgelichtet und ist von 1375, der erste Name war
„VILLA STEINPLIßEN".
Seit 1590 heißt der Ort, wie er auch heute noch geschrieben wird, Pleißa.
Die Informationen die jetzt folgen haben wir dem weit über unsere Limbacher Stadtgrenzen bekannten Heimatforscher und Lehrer Horst Strohbach zu verdanken. Horst Strohbach legte in Pleißa eine recht umfangreiche Ortschronik an. Seine Fakten holte er sich zum großen Teil aus Kirchenarchiven. Auch aus dem Dresdner Landesarchiv sind Karten und wichtige geschichtliche Daten durch ihn beschrieben und archiviert worden.
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Im Zuge der Besiedlung entstanden einst am Pleißenbach ca. sieben Mühlen. Vom Oberdorf zum Unterdorf, dem natürlichen Bachgefälle lagen die Mühlen in bald genannter Reihe am Bachufer, welches durch die Mühlen in der Vergangenheit durch Mühlengräben durchzogen war, so erkennt man es noch zum Teil aus einer Karte von 1900. Eine ältere Karte zeigt Mühlen unter anderen Namen, da der Standort gleich ist, sind dies sicher die Vorbesitzer der benannten Mühlen.
Wörtlich steht auf der Karte in alte Schreibform „Mül i. gang u.bret mül".
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Die 1. Mühle war die Tannmühle, die jetzt noch als Gaststätte erhalten ist. Eigentlich gehört die Tannmühle nicht zu Pleißa, wird aber in der „Mühlenkarte" von 1900 erwähnt.
Die 2. Mühle, die „Rauhmühle, jetzt Wohnhaus der Familie Stopp, in der Nähe vom "Waldhaus".
Die 3. Mühle, "Baumwollspinnmühle" ehemals „Weißes Ross" .
Die 4. Mühle, die Richtermühle, was früher das alte „Lehngericht" war. Heute ist nur noch ein kleiner Teil erhalten, die Bäckerei „Giersch"
Die 5. Mühle, Öhmemühle, jetzt Pleißenbachstraße … neben der Tischlerei „Sroka"
Die 6. Mühle, "Nitzschenmühle", die später beschrieben wird.
Als letzte, 7. Mühle stand noch bis 2001 die „Berthelmühle" später "Clausmühle", die sicher noch viele Pleißaer kennen als Klausmühle.
Die Mühlgräben wurden extra neben oder unter die jeweiligen Mühlen gegraben. Es werden in der Ortschronik keine genauen Angaben gemacht was in den Mühlen bearbeitet wurde, es ist aber anzunehmen, dass Getreide gemahlen wurde und auch Raps gepresst wurde. Auch als Antrieb für Sägen zur Brettergewinnung und zur Betreibung einer Transmission in der Baumwollspinnmühle kann angenommen werden. Laut einer älteren Karte von Pleißa hat es noch mehr Mühlen gegeben und alle Mühlen waren „Bret -Mühlen" und Getreidemühlen.
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Die Nitzschenmühle wird erstmalig in der Ortschronik um 1624 benannt und muss schon zuvor in Betrieb gewesen sein, da eine Kaufsumme eingesetzt ist.
Aus der Ortschronik: "Georg Böhme ist der Vorbesitzer. Es folgt nun ein Kauf, der zweifellos hierzu gehört, doch ist nicht recht klar, wer der Käufer zu nächst war. Ger.B.1624 fol.25 Wegen der Erben Georg Böhms zu gestorbenen Mühle können sie sich nicht vergleichen, indem keines dem anderen solche gönne. So haben sie sich auf des Amts Zureden und interpositio (Zwischenschaltung) durch Loos verglichen, dass derjenige welchem solche Mühle durchs Loos zukommen werde, solle 800 fl. Zahlen. Dem Besitzer der Mühle werden Bretter zu einem Wasserade, samt anderen vorhandenen Vorräten an Holz, Mühlgeräten und anderen zur Haushaltung und Fröhne bestimmten Schiff und Geschirr verbleiben, welcher dann an gewöhnlicher Amtsstelle mit Pfändung aller gesammten Haab unde Guhtere bis zur gänzlichen Ablegung der Kaufsumme dafür zu haften hat Ger.B.1624. fol.25" Schon damals war die rechtlichen Kaufabwicklungen recht kompliziert!
Der erste "Nitzsche" wird 1836 in der Chronik erwähnt, es handelt sich um Carl Willhelm Nitzsche, weiter ging dann die Mühle an folgende Besitzer : Wilhelm Friedrich Nitzsche, Kauf vom 4.9.1869 .Annelie verw. Nitzsche geb. Härtig die es von ihrem Ehemann am 17.10.1893 erhielt. Paul Richard Nitzsche übernahm das Gut, bestehend aus Hofraum, Wohngebäude, Garten, Mühlgraben, Wagenschuppen am 20.12.1917.Paul Richard Nitzsche steht auch noch 1935 als Besitzer der Mühle auf der Fronablöseliste Nr.21 Hauptstraße 51 , Ortsliste 88 Landgut. Erbhof seit 20.03 1935 Nr.7 beim Amtsgericht Limbach1 ½ Hufegut Größe 16 Ha, 25,9 a. ,so die Ortschronik.
Seit 1953 übernahm Frau Gerda Lasch und Herr Karl Lasch die Mühle, die sich nun inzwischen verändert hat. Der Mühlgraben, der früher noch durch die Scheune vor dem Wohnhaus in Tonröhren das Wasser führte, ist weggemacht worden, das Dach des Nebengebäudes ist nur noch als kleines flacheres Dach zu sehen, da es auf Grund des Baumaterialmangels nicht mehr instand zu halten war, aber das alte Fachwerk und Fenster sowie der Hof sind noch recht gut erhalten und steht in der Mitte von Pleißa als ein Schmuckstück. Die Nitzschenmühle war 2005 zum Fassadenwettbewerb ausgeschrieben. Frau Bartsch (verw. Lasch) wohnt heute noch in „ihrem Himmel auf Erden" wie sie ihr Wohngebäude nach langer mühevoller Arbeit nennt, im alten Wohngebäude. Frau Bartsch berichtete, dass sie nach dem Kauf von 1953 noch richtige Bauernwirtschaft betrieb. Es gab Kühe, Pferde, Schweine und allerlei Geflügel. Auch wurden noch Felder bestellt. Das Grundstück liegt oberhalb der Grünaer Straße und zum Teil noch an der Waldecke am Hohlweg.
„Es war sehr mühevoll, Sand und Baumaterial zu bekommen um wenigstens das Nötigste zu reparieren und instand zu halten" sagt Frau Bartsch noch. Das kann wohl jeder, der zu DDR -Zeiten gebaut hat, nachvollziehen. Heute ist die Nitzschenmühle in Besitz der Familie Löbel. Möge diese letzte Mühle noch erhalten bleiben um die schöne dörfliche Idylle zu zieren.
Klaus Montag
um 1930
08/2017
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Pleißa wie es war