Die "Tannmühle"
Gaststätte, Landhotel und Paradoxum:
Liegt in Pleißa, gehört aber zur Gemarkung Meinsdorf
Die Tannmühle

Wenn man nach alten historischen Mühlen Ausschau hält, findet man in diesem romantisch gelegenen Tal nur noch wenige Spuren, die darauf hinweisen, daß sich hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Mühle mit ihren typischen Fachwerk in das Landschaftsbild einfügte.
Dazu gehörte gleich nebenan eine kleine Scheune mit Stall und ein paar Schritte davon entfernt der Mühlteich. Das Wasser des Mühlgrabens sorgte dafür, daß das Mühlrad angetrieben wurde.
Schon seit vielen Jahrhunderten gehörten die Mühlen hier in diese Region.
In den Tälern führten die Bäche stets genügend Wasser um Mühlgräben zu speisen und Wasserräder anzutreiben. Es gab nicht nur Getreidemühlen, sondern auch Holz-, Papier-, Knochen- und auch Hammermühlen um nur einige aufzuzählen.
Die Tannmühle, (alle Mühlen im Gemeindegebiet gehörten direkt oder indirekt zur Herrschaft Waldenburg), ließ der Müller Johann Georg Heimann im Jahre 1813 bis 1814 als Kornmühle errichten. Aber es waren harte Zeiten. Die Bevölkerung hatte neben der eigenen Not noch Einquartierungen und Verpflegung von durchziehenden Soldaten zu ertragen. Bis 1818 blieb er der Besitzer und verkaufte sie dann an Johann Christian Helbig weiter. Auch dieser konnte sich nicht lange auf der Mühle behaupten, wie auch die folgenden 7 Besitzer nicht, welche die Geschichte aufweist.
Im Frühjahr 1887 vernichtete ein Brand das Mühlengebäude. Sein damaliger Besitzer F.A. Hartig baute sie wieder auf, aber die hohen Kosten brachten ihn in finanzielle Not und zwangen ihn die Mühle zu veräußern. Ein Restaurateur kaufte das Gebäude und seit dieser Zeit wird die einstige Kornmühle als Ausflugsgaststätte genutzt. Nur 70 Jahre wurde das Mühlenhandwerk hier betrieben.
Mit dem Erwerb der Mühle im Jahre 1914 durch den Gastwirt Otto Werner ist das Anwesen bis heute im Besitz der Familie Werner geblieben und zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.
Quelle: Schild neben der „Tannmühle" >>
Mai 2020
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um 1970 uralte Ansicht
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"Pleißa wie es war"
um 1970 sehr alte Ansicht
Wie geht es mit der „Tannmühle" weiter?
Die „Tannmühle" hat eine über 100-jährige Geschichte. Nach dem plötzlichen Tod des Inhabers und Chefkochs muss sie sich neu aufstellen. Dafür setzt die Familie auf Verände­rungen, die weit über das hinausgehen, was künftig auf den Tellern liegt.
VON CRISTINA ZEHRFELD
CALLENBERG / PLEIßA - Schweinebraten mit Sauerkraut und Klößen für 14,90 Euro oder Hacksteak mit Waldpil­zen, Gemüse und Kartoffeln für 12,80 Euro. Mit solchen preisgüns­tigen Gerichten hat die „Tannmüh­le" im Callenberger Ortsteil Meinsdorf lange bei ihren Gästen ge­punktet. Zürn Überleben der Gas­tronomie allerdings war das schon längst nicht mehr geeignet.
Das hatte auch Inhaber und Chefkoch Gerd Werner letztlich eingesehen. Gemeinsam mit sei­ner Frau Monika und Tochter Jana hatte er seit Anfang dieses Jahres an einer Neuausrichtung des Familienunternehmens gearbei­tet. Doch im August ist der Siebzig­jährige nach kurzer Krankheit unerwartet verstorben. Damit stellte sich die Frage, wie es mit dem Hotel und Restaurant „Tannmühle" nun weitergeht. .
Die direkt an der Ortsgrenze zu Pleißa gelegene „Tannmühle" war einst eine mit einem Wasserrad betriebene Kornmühle. Im Jahr 1914 wurde das Anwesen von Gastwirt Otto Werner erworben. Seither ist es im Besitz der Familie, Gerd Werner hatte die „Tannmüh­le" in vierter Generation betrieben. Seine Tochter Jana Werner sagt: „Wir können doch eine über 100-jährige Tradition nicht kaputt ma­chen, weil die Wirtschaft gerade nicht floriert" Sie und ihr Bruder Rico waren bisher nicht ins Tagesgeschäft eingebunden. Rico Wer­ner arbeitet als Logistiker in Leip­zig. Jana Werner ist Restaurantfachfrau und lebt derzeit mit ih­rem Mann Geoff und Sohn James nahe Avignon (Frankreich). Die Geschwister wollen sich nun zu­sammen mit ihrer Mutter um die Zukunft des Hotels kümmern.
2001 war Jana Werner schon einmal für sechs Monate nach Hause zurückgekommen. Damit arbeiteten zu jener Zeit drei Gene­rationen in der „Tannmühle". Mit ihren Ideen konnte sie sich damals noch nicht durchsetzen. Man setz­te lieber auf Bewährtes. Zu DDR-Zeiten gehörte das Haus je zur Hälfte der Familie und dem Kon­sum. Es war eine beliebte Ausflugsgaststätte. Wandergruppen wurden mit einfachen Speisen wie Kartoffelsuppe und Bockwurst verköstigt. „Bis zur Wende ist das super gelaufen", so Jana Werner.
Nach der Wende wurde die „Tannmühle" wieder komplett pri­vat. 1994 wurde das alte Stallge­bäude abgerissen, das jetzige Hotel angebaut. Seither hat die „Tann­mühle" neben 80 Sitzplätzen in der Gaststätte auch 22 Zimmer und drei Ferienwohnungen. Übernach­tet haben dort in den ersten Jahren vor allem „Aufbauhelfer" aus dem Westen. Doch dauerhaft war damit das Überleben nicht gesichert. Al­lerdings kann die Tannmühle mit ihrer idyllischen Lage und den di­rekt am Biergarten startenden Wanderrouten punkten.
Schon vor zehn Jahren war des­halb der Plan geboren worden, die „Tannmühle" zum Wellness-Hotel mit Saunalandschaft auszubauen. Das Geld dafür war schon ange­spart, als die Coronavirus-Pandemie alle Pläne zunichte machte. „Das Geld wurde durch Covid komplett aufgebraucht", so Jana Werner. Die Idee mit der Wellness allerdings ist geblieben. Fastenwo­chen, Fitness, Ausspannen und Wandern - mit solchen Angeboten will Jana Werner wieder mehr Gäs­te ins Hotel locken. Deshalb soll auch die lange geplante Sauna­landschaft noch gebaut werden.
Parallel allerdings ändert sich auch die Speisekarte. Inzwischen stehen dort vegetarische Gerichte wie Bauernfrühstück mit Gemüse und Käse, Semmelknödel nach Omas Rezept mit Waldpilzen oder auch Ofenkartoffel mit Tsatsiki. Es gibt spezielle Vital-Angebote mit Zutaten wie Bulgur und Couscous. Daneben gibt es aber auch Traditi­onelles wie Schweineschnitzel und geschmorten Hirschbraten. Jana Werner hofft, dass sie damit einer­seits die Stammgästen halten kann, andererseits neue Zielgrup­pen wie Familien, Ausflügler aber auch Fahrradfahrer dazugewinnt. Mit Verweis auf die gestiegenen Preise von Strom bis Personal sagt sie: „Wenn wir weiter machen wie bisher, dann schaffen wir das nicht," (czd)    
Quelle: „Freie Presse" vom 08.10.2026
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