Die schon wechselvolle Geschichte
der Pleißaer Kirchenglocken
Glocken erklingen bald wieder im Kirchturm
BAUPROJEKT: Turm des Pleißaer Gotteshauses erhält neuen Glockenstuhl
Pleißa. Zum Dorffest im Juni nutzten viele Pleißaer und ihre Gäste die Gele­genheit, den Turm der Gemeinde­kirche zu erklimmen. Dabei er­fuhren sie auch Interessantes über die Vorhaben, die in diesem Jahr zumindest noch ihren An­fang nehmen.
Bislang haben sich die Stahl­gußglocken, die aus den 1960-er Jahren stammen, in einem Anbau befunden. Das erklärte Ziel ist es jedoch, den Kirchturm mit einem neuen Glockenstuhl auszustatten und drei neue Glocken einzubrin­gen. „Diese sind am 14. Juli in Innsbruck gegossen worden", gab Michael Nessmann bekannt. „Dieses alte Handwerk ist in Deutschland leider so gut wie aus­gestorben."
Der Ortsvorsteher gab be­kannt, dass das österreichische Familienunternehmen Grassmayr schon in der 14. Generation Glo­cken fertigt und weltweit liefert.
26 Gemeindemitglieder waren bei dem großen Tag in Innsbruck da­bei und wurden vom Seniorchef in die Geschichte des Hauses ein­geführt. Als die Zeit für den Guß begann, sprach ein Pfarrer Seg­nungsworte und alle Anwesenden beteten. „An diesem Tag wurden elf Glocken für sechs Länder auf drei Kontinenten gegossen", sag­te Esther Tischer vom Kirchenvorstand.
„Die Pleißaer Glocken haben die Töne As, C und Es. Die größte wiegt 540 Kilogramm, die mittlere 270 und die kleinste 205 Kilo­gramm." Wenn der Guß gelun­gen ist, werden die Glocken im Herbst geweiht. Im Advent sollen sie erstmals vom Turm erklingen. Für das Pleißaer Glockenprojekt, das seit mehreren Jahren vorbe­reitet wurde, werden noch Unterstützer gesucht. abu
Quelle: „Blick" vom 09.08.2017
Die Glocken der Kirche zu Pleißa

Die Pleißaer Glocken haben, wie die Kirche selbst, eine wechselvolle Geschichte.
Das heutige Geläut (09/2017) wurde im Jahre 1962 geweiht. Die Inschriften der Glocken lauten heute wie folgt: (v. l. n. r.)
1.: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
2.: Gebt so wird euch gegeben
3.: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret sie nicht
4.: Land, Land höre des Herrn Wort
Nicht immer befanden sie sich seitlich in einem separaten Geläut über dem Kircheneingang, welches einzigartig in der Region ist. Auf diesem >Bild< ( um 1900 ) sehen wir noch das alte Dach und ein Fenster an Stelle des heutigen Geläuts.
Ursprünglich befanden sich also auch in Pleißa die Glocken auf dem Turm der Kirche.
Erst nachdem dort das tragende Gebälk zu morsch geworden war, entschloß man sich, vermutlich aus Kostengründen, zu dem Aufbau an der Kirchenseite.
Bereits 1896 erfolgte ein Umbau der Kirche mit Anbau der Sakristei und des Treppenhauses. 1962 erfolgte die Erhöhung des Anbaus und die Anschaffung des Stahlgeläutes (sh. weiter unten).
In der Ortschronik (um 1939) von Pleißa finden sich zu den Glocken folgende Hinweise:

...1682 hatten „die Zimmer Leute Peter Löbel v. Hanß Vte 6 Tage in der Kirche gearbeitet, die die Männer Stüle umb vnd umb gedielet vnd wieder aufgerichtet, die Kirchhalle gedielet fünf Schlangen darinnen die Glocken Stränge gehen ausgearbeitet, vund angemacht, auch die kleine Glocke helffen einbinden, „ ....
... 1731 brannte das Pleißaer Gotteshaus, nachdem es über 200 Jahre gestanden, total nieder, schon einige Zeit zuvor, am 23. Juli 1720 hatte Nachts 11 Uhr das Wetter in die Spitze eingeschlagen, „und 3 Seiten an derselben beschädigt", weshalb dann am 21. Oktober 1722 ihre Ausbesserung vorgenommen und der Turmknopf renoviert wurde.
Das erste, was nach dem großem Brande die Gemeinde beschaffte, sind ihre Glocken gewesen, die heutigen Tages
( 1939 ) ihr Geläute ins Tal heraberklingen lassen.
Folgende Inschriften sind auf ihnen zu lesen:
1.) an der großen Glocke a.)im oberen Zirkel: Spes confisa Deo nunquam confusa recedit. Deo sit gratia. -b.) auf der Seite nach Osten: zur Zeit war Pastor allhie/in Pleisse/Hr. David Kittner. -c.) auf der Seite nach Westen: Den 10. Septembris anno 1731 /Bin ich durch Feuersglut verzehret//und zerflossen/Durch Michel Weinholds Hand in Dresden/neu gegossen/Mense Aprili 1732. - an der mittleren Glocke a.) im oberen Zirkel: Anno 1733 goß mich Joh. Gottfried Weinhold in Dresden. -b.) auf der Ostseite: Jeremias Dietrich der Zeit/Landt Wie auch Erb und/Lehn Richter/Hanß Semmler/Andreas Berthel/Andreas Steinbach der Müller/Gerichts Schöppen./ Die Kirchen Vorsteher sindt/Elias Nitzsche/Andreas Steinbach der Bauer. c.) auf der Westseite: Benjamin Dietrich der Zeit Richter/und Landgerichts Schöppe/Benjamin Kühn/Martin Thiele/Gerichtsschöppen.
(NB die Ortsobrigkeit von Kändler, die auf der ersten Glocke verzeichneten, die Ortsobrigkeit von Pleißa) Der Kirchenvorsteher ist Johann Kühn.-
3.) an der kleinen Glocke a.) im oberen Zirkel: 1732 goß mich Mstr. Mich. Weinhold aus Dresden. -b.) nur auf der Morgenseite, während die Abendseite leer bleibt: Hilff Gott das dieser Glocken Klang/Sucht deinen Ruhm viel Jahre lang. 1740 war die Kirche von Grund aus restauriert ...

Im Buch „Gruß und Gegengruß in der Ephorie Chemnitz II" von 1925 erfahren wir dann:
... 1907 erhielt die Kirche an Stelle der alten Glocken aus dem Jahre 1732 ein neues Geläute, das aber leider schon 1917 dem Kriege zum Opfer fallen musste. Dank der Opferwilligkeit der Gemeindeglieder und vor allem des Fabrikbesitzers Gotthard Sallmann konnten am 21. April 1923 drei neue, von der Fa. Pietzel & Co. in Dresden gegossene Glocken aufgezogen und am 29. April geweiht werden. ...

An anderer Stelle ( „Limbacher Tageblatt und Anzeiger" vom 04. 12. 1933 ) lasen wir folgendes:
... In Pleißa sprang kurz nach der Jahrhundertwende eine der über 150 Jahre alten Glocken. Das Geläut wurde 1907 vollständig erneuert, und 1917 wieder heruntergenommen und zerschlagen. Das Metall sollte für Kriegszwecke Verwendung finden. Das Wenigste davon ist aber zu seiner Bestimmung gekommen, denn der Haufen der Bruchstücke wurde von Sonntag zu Sonntag weniger. Ein großer Teil der Kirchgänger konnte sich nicht von ihren Glocken trennen und nahm sich zum Andenken ein Bruchstück mit. Im April 1923 konnte durch Spenden ein neues Geläut beschafft werden....

Wer die Pleißaer Glocken von heute noch nicht gehört hat, der kann > Hier < klicken .
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Das Pleißaer Außen - Stahlgeläut

Inschriften der Glocken :
Glocke 1: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
Glocke 2 : Gebt so wird euch gegeben
Glocke 3 : Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht
Große Glocke : Land, Land höre des HERRN Wort
Heute (2015) erwägt die Kirchgemeinde den Glocken wieder ihren
angestammten Platz im Kirchturm zu geben …
Glocken Oktober 2017
1907 oder 1917
Altes Stahl-Außengeläut
-Tondatei abspielen-
>Hier<
> Bilder <
 
Noch 2017 sollen wieder neue Bronze-Glocken vom Turm der Kirche erklingen. Das Außengeläut soll erhalten bleiben. Die Weihe der neuen Glocken findet am Reformationstag 2017 statt - Sie sind dazu herzlich eingeladen !
Dazu >
hier< .
Neue Bronze-Glocken für Pleißa
„Soli Deo Gloria"- An Gottes Segen ist alles gelegen! Das waren die ersten Worte im Wanderbuch des Bartlme Grassmayr (aus http://www.grassmayr.at). So begann die nun mehr über 400-jährige Geschichte der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Nun aber von vorn: Die Kirchgemeinde Pleißa braucht neue Glocken. Die alten Stahlglocken von 1962 sind in die Jahre gekommen und müssen ausgetauscht werden. Begehungen, Gutachten, Anträge - über mehrere Jahre wurde das Glockenprojekt vorbereitet, nun konnte es losgehen. „Hurra" die Glocken sind genehmigt. Der Kirchenvorstand wählte die Glockengießerei Grassmayr aus, da diese eine jahrhun­dertlange Erfahrung im Glockenguss hat und in über 100 Länder weltweit ihre Glocken liefert.
Am 14. Juli fuhren 26 Gemeindeglieder aus Pleißa nach Innsbruck, voller Freude und großen Erwartungen. Die Glockengießerei hatte eine Einladung geschickt, zum festlichen Akt des Glockengusses mit Gebet. Gut angekommen, empfing Senior Grassmayr die kleine Reisegruppe sehr freundlich. Er führte in das kleine Glockenmuseum und erklärte anhand von Modellen die Herstellung einer Glocke, vom Festlegen des späteren Tons, über das verwendete Material bis hin zur Glocken-Verzierung und der Gussform. Die Zeit verging sehr schnell und das flüssige Metall hatte 14:15 Uhr eine Temperatur von 1150 °C im Drehtrommelofen erreicht. Höchste Zeit für die Arbeiter ihre feuerfeste Schutzkleidung anzulegen. Ein anwesender Pfarrer sprach Segnungsworte und alle Arbeiter und Zuschauer beteten zusammen das „Vater unser". Eine extreme Hitze verbreitete sich beim Öffnen des Ofens und es floss das rotglühende zähflüssige Metall in einen Bottich, wurde mit dem Kran punktgenau über die Formen der Glocken gebracht und hineingegossen. Ein sehr ergreifender Moment, als der leitende Gießer mit den Worten schloss: „Ist alles gutgange" - alle applaudierten und die Pleißaer sangen das Lied: „Lau-date omnes gentes - Lobsingt ihr Völker alle". Im Anschluss gab es noch das traditionelle „Gussschnapsel". An die­sem Tag wurden insgesamt elf Glocken für sechs Länder auf drei Kontinenten gegossen, für Indien, Tansania, Italien, Kroatien, Deutschland und Rumänien.
Die Pleißaer Glocken sollen die Töne As, C und Es haben, die Größte wiegt 540 kg, die Mittlere 270 kg und die Kleinste 205 kg. Wenn der Guß gelungen ist, können die neuen Pleißaer Glocken im Herbst geweiht werden und erklingen dann erstmals im Advent vom Turm -Gott zur Ehre, uns zur Freude und zum Ruf in Gottes Haus - für viele Generationen. Bis dahin bleibt noch viel zu tun, denn der Glockenturm muss saniert werden, um die Glocken tragen zu können. Ein großes Projekt, daher freut sich die Kirchgemeinde Pleißa auch über ihre Spende.
Esther Tischer, SS 12.10.2017

Glockenweihe in Pleißa
Nach reiflicher Überlegung, Planung und Vorbereitung ist es nun soweit. Die Bauarbeiten an dem Gebälk des Kirchturmes haben begonnen. Die Tragkonstruktion vom Kirchturm wird saniert, nicht mehr tragfähige Balken erneuert, Trocknungsspalten geschlossen und zusätzliche Versteifungen eingebracht. Dies ist auch die Gelegenheit, das durch Witterungseinflüsse in Mitleidenschaft gezogene Geläut zu erneuern und an seinen ur-
sprünglichen Platz im Turm zurückzubringen. Der Glockenguss ist bereits geschehen und die neuen Glocken werden kurz vor dem Reformationsfest bei uns eintreffen. Auch wenn die Bauarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen, werden die neuen Glocken am diesjährigen Reformationstag eingeholt. Zur Glockenweihe am 31. Oktober in der Kirche zu Pleißa, sind alle herzlich eingeladen. Ab 12 Uhr ziehen die Pferdewagen ab der Pleißenbachstraße l (Cafe „Wun­derbar") die neuen Bronzeglocken durch den Ort bis zur Roßdrehe und die Mittel Straße zurück zur Kirche. Dort werden die Glocken in den Altarraum gebracht. 15 Uhr beginnt der Gottesdienst zur Glockenweihe. Mit Orgel, Posaunen und Gesang, einzelnen Grußworten und anschließendem Kaffeetrinken wollen wir dieses Ereignis feiern.
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Pleißa - „Stadtspiegel" vom 26.10.2017
Pferde ziehen am Dienstag neue Glocken durch Pleißa
Gottesdienst zur Weihe -Altes Geläut aus Stahl wird ausgemustert
VON JOHANNES PÖHLANDT
PLEIßA - Geschmückte Pferdekut­schen, Posaunenmusiker und aller­hand „Fußvolk", die gemeinsam durchs Dorf ziehen - in Pleißa wird sich am Dienstag ein Schauspiel bie­ten, das nicht jeden Tag zu sehen ist. Pünktlich zum. 500. Jahrestag der Re­formation werden drei neue Glo­cken geweiht, die demnächst ihren Platz im Turm der Pleißaer Kirche erhalten sollen.
„Die Glocken befinden sich der­zeit an einem geheimen Ort und müssen noch geschmückt werden", sagt Mika Herold, Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchge­meinde. Am Reformationstag wer­den die Glocken auf einen Planwa­gen gehievt, der mit Pferden be­spannt ist. Auf einer weiteren Kut­sche nimmt der Posaunenchor Platz. Der Umzug beginnt um 12 Uhr an der Ecke Pleißenbachstraße/Hohensteiner Straße gegenüber vom Limbacher Friedhof. Der sogenann­te Glockentransport führt einmal über die gesamte Pleißenbachstraße bis zur sogenannten Rossdrehe und dann über die Mittelgasse zur Kir­che. „Zuschauer und Begleiter sind jederzeit willkommen", sagt Herold. Viele Mitglieder der Gemeinde hät­ten bereits angekündigt, den Pferde­kutschen zu Fuß folgen zu wollen. Um 15 Uhr schließt sich ein
Weih­egottesdienst in der Kirche an. „Dazu werden die Glocken vor dem Altar aufgestellt", erklärt der Pfarrer.
Eine Pleißaer Delegation war an­wesend, als die neuen bronzenen Glocken im Juli im österreichischen Innsbruck gegossen wurden. Diese sind zwischen 200 und 540 Kilo­gramm schwer und erklingen in den Tönen As, C und Es. Die Bronzeglo­cken ersetzen ihre Pendants aus Stahl, die Anfang der 196oer-Jahre geweiht worden waren. Nach Anga­ben von Herold besteht Handlungsbedarf. „Die Stahlgussglocken gehen kaputt. Sie klingen inzwischen mehr schlecht als recht", sagt der 45-Jährige. Während das derzeitige Geläut in einem an die Kirche ange­dockten Anbau untergebracht ist, sollen die neuen Glocken ihren Platz im Kirchturm finden. Das Ziel, dass sie schon im Advent zu hören sind, lässt sich aber nicht halten. Erst müsse der Glockenstuhl erneuert werden, erklärt der Pfarrer. Er geht davon aus, dass das Werk Anfang 2018 vollbracht ist.   
Quelle: „Freie Presse" vom 28.10.2017
Ein besonderes Reformationsgeschenk
WEIHE - Pleißaer Gemeinde stellt Glocken vor
Pleißa
. Lan­ge haben die Pleißaer darauf gewartet, nun ist es endlich so weit: Am Reformationstag wer­den die Glocken, .die im Juli im österreichischen Innsbruck ge­gossen worden waren, geweiht. „Zunächst werden sie ab 12 Uhr von Pferdefuhrwerken. durch den Ort gefahren", gab Steffen Schulze bekannt. „Startpunkt ist die Pleißenbachstraße 1.". Laut dem Kir­chenvorstandsmitglied geht die. Fahrt von der Gärtnerei aus über die „Rossdrehe" zur Kir­che.
Der Posaunenchor wird die­se besondere Fahrt musikalisch umrahmen. Um 15 Uhr wird dann zum Festgottes­dienst in die Pleißaer Kirche ge­laden. In diesem Rahmen sol­len die Glocken auch geweiht werden. Wenn man aktuell am Gotteshaus vorbei geht, hört man eifriges Hämmern: Es ha­ben bereits die Arbeiten im Turm begonnen, in dem in na­her Zukunft die neuen Glocken ihren Platz finden sollen. „Ich erlebe nun schon die zweite Glockenweihe in Pleißa und freue mich sehr auf diesen Festakt", bekannte Michael Nessrnann. „Bei der ersten Glockenweihe 1962 war ich aber erst drei Jahre, sodass ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Das Läuten der Glo­cken hat mich schon immer fasziniert und in meiner Kind­heit und Jugendzeit wurden die Glocken noch per Hand, je­weils Glocke für Glocke, an Sei­len gezogen -bis sie richtig in Schwung kamen. Auch ich durfte dieses manchmal, es wurden sogar immer Glockenläuter gesucht." Zwei Mal sind laut dem Ortsvorsteher in Plei­ßa Glocken vom Turm geholt und für Geschosse einge­schmolzen worden. Die Derzei­tigen müssen aus Altersgrün­den stillgelegt werden und die neuen Glocken kommen wie­der in den Turm: „Mein Wunsch ist, dass Glocken nie wieder missbraucht werden und unsere neuen Glocken vielleicht 500 Jahre in Pleißa läuten, bis sie aus Altersgrün­den erneuert werden müssen", so Nessmann.
abu Quelle: „BLICK" vom 28.10.2017
Glockenweihe 1962
Glockenweihe 1962
 
Der lange Weg der Glocken in die Kirche
*Das neue Geläut ist eine Stunde lang durch Pleißa gezogen und dann geweiht worden. Zuvor wurde es an einem ungewöhnlichen Ort versteckt.*
VON JOHANNES PÖHLANDT
PLEIßA - In Daniel Illgens Doppel­garage war in den vergangenen Ta­gen Wertvolles untergebracht. Es handelte sich jedoch weder um einen Sportwagen noch um einen Oldtimer, sondern um etwas, daß nur selten in einer Garage aufbe­wahrt wird. Bei Illgen, Mitglied des Kirchenvorstandes in Pleißa, hatten drei Kirchenglocken im Wert von 75.000 Euro zwischenzeitlich eine Bleibe gefunden. „Ich habe abends immer nochmal geguckt, ob alles verschlossen ist", berichtete der 41-Jährige. Die Autos, die sonst ihren Platz in der Garage haben, parkte er davor. „Damit niemand so schnell rankommt."
Eine unscheinbare Garage war al­so der „geheime Ort", von dem Pfar­rer Mika Herold in der vergangenen Woche gesprochen hatte. Diebe soll­ten nicht quasi in letzter Minute zu­nichte- machen, was seit knapp zehn Jahren in Pleißa vorbereitet wurde: die Anschaffung von neuen Glo­cken für die evangelisch-lutherische Kirche. Gestern Nachmittag sind die drei Exemplare aus Bronze bei einem festlichen Gottesdienst ge­weiht worden. In der Kirche war kein Platz mehr frei, viele Besucher mussten im Gang stehen.
Doch wer die Glocken begutach­ten wollte, musste nicht einmal zur Kirche gehen, sondern womöglich nur aus dem Fenster schauen. Um 12 Uhr setzten sich am Limbacher Friedhof vier Pferdewagen in Bewe­gung. Zwei davon transportierten die mit Blumengedecken geschmückten Glocken, ein weiterer den Posaunenchor, der vierte Mit­glieder der Kirchgemeinde. Am Ran­de des Wegs über Pleißenbachstraße, Hohensteiner Straße und Mittel­gasse standen hunderte Schaulusti­ge Spalier, zückten Kameras und Smartphones. Das halbe Dorf schien auf den Beinen zu sein. Etwa 50 Glo­cken-Enthusiasten begleiteten den Tross über die gesamte Strecke zu Fuß. Darunter war Kerstin Grimm, die zugleich zu den zahlreichen Spendern gehört, die mit ihrem Geld den Kauf der Glocken erst ermög­licht haben. „Es ist eine Freude für Pleißa, dass dieses Ziel jetzt endlich erreicht ist", sagte die 55-Jährige ge­rührt.
Sein Ziel, nämlich die Kirche, er­reichte der Tross mit den Gespan­nen nach einer Stunde. Während Kutscher und Pferde sich anschlie­ßend in den Feierabend verabschie­deten, hatten Daniel Illgen und sei­ne Mitstreiter vom Kirchenvorstand die anstrengendsten Tätigkeiten
noch vor sich. Zunächst bugsierten sie die auf Holzpaletten ruhenden Glocken - 205, 270 und 540 Kilo­gramm schwer - mit einem Hubwa­gen und Manneskraft durch einen Seiteneingang in die Kirche. Obwohl es beim Erfüllen einer Auf­gabe selten zuträglich ist, wenn un­zählige Neugierige zuschauen, meis­terten die Glocken-Beauftragten die­se ohne Zwischenfälle.
In der Kirche stellten Illgen und seine Kollegen die Glocken nicht einfach auf dem Boden vor dem Al­tar ab, sondern hängten sie mit Last­gurten an provisorischen Glocken­türmen aus Holz auf, die Steffen Schulze eigens angefertigt hatte -der stellvertretende Chef des Kirchenvorstands ist als Tischler vom Fach. Schulze dirigierte seine Helfer geschickt und rangierte mit dem Hubwagen so schnell und elegant, dass man hätte meinen können, er schiebe ständig Glocken durch Kir­chen. Aber dem ist nicht so. „Ich ha­be so etwas noch nie gemacht, aber trotzdem die Organisation für die ganze Sache in die Hand genom­men."
So war es auch Schulze, der sich um Fördermittel-Anträge -für das Projekt und eine Fahrt nach Inns­bruck gekümmert hat. Als dort die neuen Glocken im Sommer gegos­sen wurden, schaute eine Reisegrup­pe aus Pleißa zu. Die neuen Bronze­glocken sollen ihre Vorgänger aus Stahl ersetzen, die in die Jahre ge­kommen und klanglich minderwer­tig sind. In den Kirchturm kann das neue Geläut aber noch nicht, erst muss der Glockenstuhl für weitere gut 90.000 Euro erneuert werden. Schulze nimmt an, dass die Glocken im Januar oder Februar in den Kirch­turm gehoben werden können.
Bis dahin bleiben sie in der Kir­che. Daniel Illgen kann seine Garage also wieder für den angestammten Zweck nutzen. Die Freude darüber hält sich bei ihm aber in Grenzen. „Ich hätte die Glocken auch noch einige Tage länger behalten."
Quelle: „Freie Presse" vom 01.November 2017
Begrüßungsfahrt durchs Dorf
WEIHE: Pleißaer Gemeinde hat neue Kirchenglocken
Es war der große Tag im Pleißaer Jahres­kalender: Am Dienstag, zum 500. Jahrestag der Reformation, hat die Kirche des Ortsteils offiziell ih­re drei neuen Glocken bekom­men, die im Sommer in Innsbruck gegossen worden waren. Punkt 12 Uhr setzte sich der Tross in Be­wegung: Voraus der Wagen mit den Posaunenbläsern, dahinter zwei weitere mit den aufwändig geschmückten Glocken. „Viele Pleißaer standen am Straßenrand, einige haben den Transport be­gleitet", freute sich Steffen Schul­ze.
Als nach der Fahrt durch das Dorf Ankunft an der Kirche war, ließ die Sonne die Glocken glänzen: „Auch da haben viele ver­folgt, wie die Glocken vom Pferde­wagen in die Kirche gebracht und anschließend im Weihegerüst auf­gehängt wurden", so das Mitglied des Kirchenvorstandes. Beim Gottesdienst war die kleine Kirche dann noch besser gefüllt als an Weihnachten zur Christvesper. Nun müssen Zimmerleute zu­nächst den Kirchenturm stabili­sieren, damit die Glocken bald an ihren Bestimmungsort gelangen können. „Das erste Läuten wird aber im neuen Jahr sein, voraus­sichtlich zu Ostern", gab Schulze bekannt. Für die Kosten rund um die Sanierung des Kirchturmes werden weiter Sponsoren ge­sucht.
abu Quelle: „BLICK" vom 04.11.2017

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